Stalingrader Elegie

Hier wogt nur die Steppe, hier grünt keine Saat,
Von der Wolga umschlungen träumt hier schlafend die Stadt.
“Seit dem Jahr Dreiundvierzig ruh’ ich hier in der Erde,
Ich weiss nicht, was ich war, was ich bin, was ich werde.

In die Kugel der Erde bin ich einmal gesunken,
Und ich träum’ immer noch von den feurigen Funken,
Oh, der Kampf war so rasend, so furchtbar, so wild,
Und ich sank in die Erde, mit dem Schwert, mit dem Schild.

Ach, der Stalingrad-Traum hält nicht inne in mir,
Ohne Stalingrad-Träume ruht kein Schlafender hier.
Der streitsüchtiger Hahn weckt den Toten nie mehr,
Über mir auf der Wiese frisst die Rost mein Gewehr.

Hier schweigen die Toten: die sind taub und blind,
Und den reifenden Roggen streichelt zärtlich der Wind.
Ja, ich liege hier einsam, mit dem ewigen Staub,
Denn vom Krieg hab ich jetzt und für immer Urlaub.

Ach, du Bushaltestelle, die ich liebe und kenne,
Dein lebendiger Lärm ist’s, wonach ich mich sehne.
Deine lauten Töne, liebe Bushaltestelle,
Lass sie stören des Himmels ewig trockene Helle.

Keine Träne lock’ ich von dem Himmel hervor
Und kein Regen beweint, was die Stadt hier verlor.
Nimmer regent es hier, nimmer regent es dort,
Denn die Stalingrad-Stadt ist ein trockener Ort!

Und die schlafsame Erde atmet langsam und tief,
Sie hat noch nicht vergessen, wie der Krieg hier lief.
Ich… weiss nicht, was ich war, was ich bin, was ich werde:
Über mir ist der Himmel, unter mir ist die Erde.

Hier wogt nur die Steppe, hier kämpft man nicht mehr,
Langsam sinkt meine Stadt ins Vergangenheitsmeer.
Und ein Phönix steht auf aus der Asche hervor,
Doch kein Feuer vertilgt, was die Stadt hier verlor.

Wolgograd steht, aus dem Stalingrad geboren,
Zum ewigen Friedenszeichen erkoren.
Es lebe der ewige Frieden!